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Muli Katzurin gibt Aufbauspieler Devin Gibson neue Anweisungen

Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht – Muli Katzurin im Interview

Headcoach Muli Katzurin hat aufregende Wochen hinter sich. Mitte Februar sah es in der Tabelle nicht sehr rosig aus, doch der Trainerfuchs aus Israel richtete seine Truppe binnen kürzester Zeit wieder auf – und dann klappte es auch wieder mit dem Gewinnen: Sechs Siege aus den letzten sieben Partien stehen zu Buche. Rund einen Monat vor dem Ende der regulären Saison erklärt Katzurin unter anderem die Gründe für den Aufschwung, zieht Parallelen zur vergangenen Saison und blickt auf die anstehenden Aufgaben gegen Oldenburg und Gießen.

Nach dem 60:57-Sieg in Würzburg ist der frühzeitige Klassenerhalt zum Greifen nahe. Ganz ehrlich: Hast du eine solche Entwicklung Mitte Februar angesichts damals vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer für möglich gehalten?

Zunächst muss ich sagen: Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht. Ich denke, wir brauchen noch mindestens zwei Siege. Zu dem anderen Teil der Frage: Wir mussten Änderungen im Kader vornehmen und das haben wir auch getan. Daher habe ich schon daran geglaubt, dass sich die Dinge positiv entwickeln werden und wir den Saisonverlauf ändern können.

Die Situation erinnert ein wenig an letzte Saison, als wir ebenfalls lange Zeit unten drin standen und am Ende der Saison immer besser in Fahrt gekommen sind. Welche Parallelen siehst du?

Den Kader zu verändern war sicher einer der wichtigen Schritte. In der ersten Saisonhälfte  hatten wir nicht die Qualität, die wir jetzt haben. Auf das Basketballerische bezogen konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die Verteidigung, versuchen die Teamchemie und –abstimmung zu verbessern. Wir wollen, dass die Spieler hart arbeiten, für jedes Spiel bereit und vorbereitet sind und immer ihr Bestes geben. Von diesen Gesichtspunkten her, gibt es schon Parallelen zur vergangenen Saison.

Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft?

Da muss ich zunächst sagen, dass alle Spieler die in dieser Saison hier waren, also auch jene, die aktuell nicht mehr bei uns sind, gute Mitspieler und Typen waren, die immer hart gearbeitet haben. Es gab nie irgendwelche Probleme im Team und so etwas ist sehr wichtig. Es war einfach eine professionelle Entscheidung: Wir brauchten mehr Erfahrung in der Mannschaft, die wir insbesondere mit Dawan bekommen haben. Schon vor meiner Zeit hier in Frankfurt war es immer ein Ziel für die Organisation, gute Charaktere und harte Arbeiter ins Team zu holen.

Du hast Dawan und seine Erfahrung angesprochen. Es scheint auch, als ob Devin Gibson von ihm profitiert und wieder zurück zu seiner Stärke gefunden hat.

Wir wussten, dass es bei Dawan nach seiner langen Pause aufgrund des Autounfalls eine Weile dauern wird, bis er wieder in Form kommt. Aber seitdem er wieder fit ist, merkt man, wie er unser Spiel organisiert und Dinge in Bewegung setzt. Wie gesagt ist Dawan ein sehr erfahrener Spieler. Er gibt uns eine Menge Stabilität auf der wichtigen Position des Aufbauspielers. Der Aufbauspieler ist in meinen Augen die wichtigste Position im Basketball. Jetzt haben wir eine klare Rollenverteilung: Dawan ist der Starter und Devin ist der Back-Up. Devin lernt viel von Dawan und kann dadurch sein Spiel verbessern, wie zum Beispiel in Würzburg zu sehen war. [Spielzeit Devin: 26:46 Min, Spielzeit Dawan: 13:14 Min; Anm. der Red.]

Würzburg war ein unglaublich spannendes Spiel und ein toller Sieg (Video zum Spiel). Einige Spieler haben vom „besten Sieg“ bislang gesprochen. Gab es Dinge die wir trotzdem noch besser machen können?

Wir haben ein paar unnötige Ballverluste gegen Würzburg gehabt. Aber insgesamt kann ich sagen, dass Würzburg ein großer Sieg für uns war. Gerade weil Dawan krank war, Marius quasi nur mit einem Bein spielen konnte und Danilo wegen seinem Rücken gar nicht erst mitgereist ist. Mit all diesen Dingen im Kopf kann man wohl sagen, dass wir zufrieden sein können. Aber als Trainer sieht man immer Dinge die man verbessern kann (lächelt). Auf jeden Fall bin ich froh und stolz darauf, wie wir in Würzburg aufgetreten sind.

Ryan Brooks ist seit Wochen in starker Verfassung, LaQuan Prowell kommt nach anfänglichen Problemen immer besser in Fahrt. Wie wichtig sind die beiden für die Mannschaft?

Wir sind froh darüber, die beiden ins Team geholt zu haben. Ryan hat sich schnell eingefügt. Hauptsächlich dank seiner offensiven Fähigkeiten. Er musste sich hauptsächlich unseren defensiven Stil gewöhnen. Bei LaQuan hat es ein wenig länger gedauert, aber das lag zum Teil auch an uns, denn wir kannten ihn nicht ganz so genau wie Ryan. Aber je länger er bei uns ist, umso selbstbewusster wird er, umso besser lernen wir seine Qualitäten kennen. Mittlerweile spielt er auf einem sehr guten Level.

Du sagst, dass man als Trainer immer Bereiche sucht, in denen man sich noch verbessern kann. Stand heute: Müssen wir uns noch mehr in der Offensive oder in der Defensive verbessern?

Verteidigung ist etwas woran man die ganze Zeit arbeiten muss. Es ist nicht so, dass man einmal studiert und dann funktioniert es automatisch. Man muss ständig daran arbeiten und den Spielern die Prinzipien immer wieder präsentieren. Natürlich wollen wir auch unseren Angriff verbessern und ich denke, dass wir durch die letzten Verpflichtungen diesen Bereich vorangebracht haben. Ich erinnere mich noch an die erste Saisonhälfte, in der wir Probleme hatten 60 Punkte zu erzielen. Wenn man das Würzburg-Spiel jetzt mal außen vor lässt, dann hatten wir in den letzten Spielen keine Probleme mehr Punkte zu erzielen. Wir haben in manchen Spielen vier oder fünf Spieler, die zweistellig punkten. Dass ist sehr wichtig, denn so muss man sich nicht auf einen oder zwei Spieler verlassen, die die offensive Last alleine tragen. Aber klar: Wir müssen auch an unserer Offensive arbeiten, sind da aber auf einem guten Weg.

Mit Bamberg (Video zum Spiel) und Berlin (Video zum Spiel) hat dein Team im März zwei Meisterschaftsanwärter in die Knie gezwungen. Warum gewinnen wir nun gegen Oldenburg?

Im Moment sind wir als Team nicht komplett fit und gesund. Daher kann man noch nicht genau sagen, wie wir am Sonntag aufgestellt sein werden. Nichtsdestotrotz (lacht): Wir quetschen das Team aus wie eine Zitrone und versuchen auch den letzten Tropfen, den letzten Rest Energie, aus den Jungs herauszuholen. Jedes Spiel ist für uns eine Herausforderung. Die meiste Zeit hört und liest man über Berlin, Bamberg, München oder Ulm, aber auch Oldenburg hat sich einen sehr guten Kader zusammengestellt und wird im Laufe der Saison immer besser. Sie haben es ins Halbfinale der Eurochallenge geschafft und haben eine Chance diesen Wettbewerb auch zu gewinnen und die Hauptrunde der Liga als Zweiter abzuschließen. Es scheint, als hätten bei ihnen viele Rädchen ineinander gefunden. Wir müssen einfach ein gutes Spiel abliefern, um gegen Oldenburg zu gewinnen.

Am Mittwoch darauf folgt dann direkt das Heimspiel gegen Gießen. Vielleicht das einzige Spiel in dieser Saison, in das wir als Favorit gehen. Wie wichtig wird die mentale Vorbereitung auf dieses Spiel werden?

Es stimmt: Gegen Gießen werden wir der Favorit sein. Aber wir müssen Schritt für Schritt denken und erst mal gegen Oldenburg spielen. Die Vorbereitungszeit wird kurz sein und natürlich werden wir mit den Spielern reden. Gießen hat dieses Saison einen Vorteil: Sie kommen ohne jeden Druck in jedes Spiel. Basketballer die ohne Druck aufspielen, können meist mehr aus sich herausholen. Ich habe es am Anfang gesagt: Wir brauchen noch mindestens zwei Siege, um den Klassenverbleib sicherzustellen. Spiele gegen Gießen sind immer etwas besonderes, es ist ein Derby. Wir müssen Gießen respektieren und das Spiel ernst nehmen, auch wenn sie Letzter in der Liga sind. Wir müssen und werden uns mental und professionell auf dieses Spiel vorbereiten.

Abschließend eine Frage weg vom Basketball. Du hast vor der Saison gesagt, dass du gerne Musik hörst, gerade Oldies haben es dir angetan. Bleibt für ein Privatleben oder Hobbies in dieser Phase der Saison überhaupt Zeit?

(lacht) Es bleibt schon noch Zeit für das Privatleben. Am Ende des Tages kommt man immer nach Hause, in seine Wohnung, in sein Leben. Aber es stimmt schon, in den letzten Tagen und Wochen hatte ich nicht allzu viel Zeit für die Dinge abseits des Basketballs, denn ich verpflichte mich voll und ganz für das Team. Und auch wenn es aktuell in der Tabelle ein wenig besser aussieht, so möchte ich nicht nachlassen und unsere Ziele erreichen. Aber klar ist auch, man kann sich nicht immer und ständig nur in eine Sache vergraben, dass wäre auch nicht gesund.

Vielen Dank für das Gespräch, Muli!

Nächste Heimspiele

  • Sonntag, 7. April um 15 Uhr, gegen Oldenburg
  • Mittwoch, 10. April um 19:30 Uhr, Hessenderby gegen Gießen
    • Vorher gibt es ab 17:00 Uhr "Basketball mit Ansage" präsentiert von hr-info mit Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer zum Thema "Mentale Stärke und Digitale Demenz"
  • Karten für alle Heimspiele sind erhältlich über Tel. 069-928 876 19 oder direkt zum selber ausdrucken über www.fraport-skyliners.de/tickets