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Ein Sommer, der mehr bedeutet als nur Pause

Marco Völler spielte von 2017 bis zum Sommer 2024 für die SKYLINERS und war Kapitän der Aufstiegsmannschaft. Von 2021 bis 2023 war er zudem als Sportmanager bei den SKYLINERS tätig. Nun schreibt der ehemalige Power Forward wieder als Kolumnist für uns und blickt zunächst auf die Saison 2025/26 zurück.

Manchmal erzählt eine Tabelle nicht die ganze Geschichte einer Saison.

Und manchmal gibt es Spielzeiten, die man nur versteht, wenn man näher dran war.

Die letzte Saison der SKYLINERS war so eine.

Von außen wird am Ende meistens nur bewertet, wo eine Mannschaft steht. Wie viele Spiele gewonnen wurden. Ob Erwartungen erfüllt wurden oder nicht. Aber gerade bei einem Club wie Frankfurt lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Denn diese Saison hatte viele Facetten. Sie war turbulent. Teilweise chaotisch.

Aber sie war gleichzeitig auch wichtig, weil sie gezeigt hat, woran dieser Standort arbeiten muss – und welches Potenzial weiterhin vorhanden ist.

Eine der spannendsten Geschichten war für mich sicherlich die Rolle von Klaus. Er kennt diesen Club wie kaum ein anderer. In erster Linie als Assistenztrainer, aber auch als jemand, der den Basketball in Frankfurt über Jahre mitgeprägt hat.

Aber diese Saison war nochmal etwas anderes. Seine erste komplette Saison als Headcoach mit voller Verantwortung. Und jeder, der sich im Basketball ein wenig auskennt, weiß: Der Unterschied zwischen Assistant Coach und Headcoach ist enorm.

Als Assistant unterstützt Du, kannst aber auch eigene Inhalte beisteuern.

Als Headcoach musst Du führen. Du musst Entscheidungen treffen, Druck moderieren, Verletzungen managen, mit Unruhe und Erwartungen umgehen.

Und genau deshalb – finde ich – muss man seine Arbeit differenziert betrachten.

Natürlich gab es sportlich Phasen, in denen man sich mehr Konstanz gewünscht hätte. Aber gleichzeitig hatte man eigentlich fast immer das Gefühl, dass die Mannschaft als Gefüge intakt war, dass trotz aller Schwierigkeiten versucht wurde, einen gemeinsamen Weg zu finden.

Und das war in dieser Saison alles andere als selbstverständlich.

Was viele Fans oft gar nicht mitbekommen: Manche Themen begleiten eine Mannschaft wochenlang intern. Und genau solche Geschichten gab es diese Saison ebenfalls.

Dass ein Spieler während der laufenden Saison praktisch streikt, in den USA Urlaub macht und dann nicht mehr zurückkommt, ist natürlich eine Situation, die jede Mannschaft belastet.

Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich.

Denn solche Dinge verändern Dynamiken innerhalb eines Teams sofort. Spieler stellen Fragen, Coaches müssen moderieren, der Club muss reagieren.

Und gleichzeitig laufen Spiele, Training und Saisonbetrieb einfach weiter.Von außen sieht man oft nur das Ergebnis am Wochenende.

Intern beschäftigen solche Themen aber wochenlang alle Beteiligten.

Gerade deshalb fand ich bemerkenswert, dass die Mannschaft trotz aller Unruhe immer wieder Momente hatte, in denen sie Charakter gezeigt hat.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der zurückliegenden Saison war die Rückkehr von Sebastian Gleim.

Nach einigen Jahren außerhalb des Clubs wieder zurückzukommen – diesmal in der Rolle als Geschäftsführer Sport – ist ebenfalls keine einfache Aufgabe. Aber er hat diese Herausforderung nicht nur angenommen, sondern ist an ihr gewachsen. Die Saison hat ihn auf allen Ebenen extrem gefordert. Diese Erfahrungen gilt es jetzt zu kapitalisieren.

Ich glaube, dass genau dieser Sommer für alle enorm wichtig wird. Denn jetzt geht es nicht mehr nur darum, eine schwierige Saison aufzuarbeiten. Jetzt geht es darum, aktiv und konsequent eine Richtung für die kommenden Jahre vorzugeben.

Welche Spieler passen nach Frankfurt?

Welche Kultur soll entstehen?

Und wie schafft man es, wieder eine klare „Frankfurter“ Identität aufzubauen?

Jetzt beginnt die Phase, die häufig unterschätzt wird.

Denn die Grundlagen für die nächste Saison entstehen nicht im September.

Sie entstehen jetzt. Im Mai. Im Juni.

In Gesprächen. In Entscheidungen.

In der Frage, welche Spieler man wirklich verpflichten möchte – und vor allem warum.

Der Basketballmarkt verändert sich unglaublich schnell.

Spieler wechseln kurzfristiger.

Agenturen arbeiten aggressiver.

Budgets werden komplexer.

Und genau deshalb braucht ein Club vor allem Klarheit.

Nicht jede Verpflichtung muss spektakulär sein. Aber jede Verpflichtung sollte zur Identität passen. Und da hat der Club bereits wichtige „Hausaufgaben“ gemacht. Sehr bemerkenswert, dass schon zu einem so frühen Zeitpunkt die Verträge der deutschen Spieler im Team – u. a. Leistungsträger wie Captain Till Pape, Top-Talente aus dem eigenen Nachwuchs wie Jamie Edoka und Ivan Crnjac sowie Neuzugang Roman Bedime – unter Dach und Fach sind.

Eine perfekte Basis für die in den nächsten Wochen anstehende finale Kaderplanung.

Ein weiteres SKYLINERS-Thema, das ich extrem interessant finde, ist die Entwicklung des 3X3-Teams.

Ich glaube ehrlich gesagt, dass dort in Zukunft enormes Potenzial liegt.

Nicht nur sportlich. Sondern auch kulturell. 3X3 erreicht junge Zielgruppen anders.

Es ist urbaner. Schneller. Näher an der heutigen Basketballkultur.

Und gerade ein Standort wie Frankfurt könnte davon profitieren, Basketball wieder breiter und moderner zu denken.

Nicht als Ersatz für den klassischen Basketball – sondern als Ergänzung.


Was ich mir für Frankfurt wünsche

Ich bin überzeugt, dass Frankfurt ein wichtiger Basketballstandort bleiben kann und wird.

Aber dafür braucht es mehr als einzelne Siege.

Es braucht wieder eine klare Idee.

Eine Mannschaft, mit der sich Menschen, die Fans identifizieren.

Spieler, die Verantwortung übernehmen.

Und eine Energie, die man in der Halle spürt.

Die vergangene Saison war sicherlich nicht perfekt.

Aber manchmal entstehen genau in solchen Jahren die wichtigsten Erkenntnisse.

Jetzt wird entscheidend sein, was man daraus macht.

Und genau deshalb fühlt sich dieser Sommer gerade wichtiger an als viele Sommer zuvor.

Ich freue mich jedenfalls darauf, den Weg der SKYLINERS weiter zu begleiten – und künftig auch diese Kolumne wieder regelmäßiger mit euch zu teilen.

Bis bald.
Euer Marco